Symposium Open Search

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Die Open Search Fundation lädt ein zum Second International Symposium on Open Search Technology :

„Dear Experts, Supporters and Friends of Open Internet Search,
We are pleased to announce the 2nd international Open Search Symposium (OSSYM) to be held at CERN, Geneva, May 25-27, 2020.
Building on the networks and cooperation initiated among research groups and experts in the context of Open Search in the past years, we will reconvene for the Open Search Symposium 2020, at the cradle of the web, at CERN Geneva in this coming May. The OSSYM 2020 will provide space for networking within research communities but also connect across domains and disciplines for establishing future cooperation, partnerships and projects .
The development of an European open Internet search community and infrastructure requires know-how and contributions from many scientific and technical fields. It requires profound understanding of internet search technologies and new thinking for services and innovative applications, to be built on an open and distributed Internet search infrastructure in and for Europe.
We are calling for your active participation in the Open Search Symposium 2020 in various formats: with scientific papers, sharing of practical experiences or by introducing concepts and positions during presentations and in the different interactive sessions.“

Die Beiträge des Symposiums 2019 stehen auf Zenodo zur Verfügung:
Jens Gäbeler: Entwicklung einer Steuerungskomponente zur Priorisierung von Aufträgen für verteilte Webcrawls
Anna Gröhn: Explizite und implizite Theorien von Schülerinnen und Schülern über die algorithmischen Sortierprozesse von Informationsintermediären
Stephan Hachinger; Jan Martinovic; Olivier Terzo; Cédric Koch-Hofer; Martin Golasowski; Mohamad Hayek; Marc Levrier; Alberto Scionti; Donato Magarielli; Thierry Goubier; Antonio Parodi; Sean Murphy; Florin-Ionut Apopei; Carmine D’Amico; Simone Ciccia; Massimo Sardo; Danijel Schorlemmer: The LEXIS approach to Searching and Managing FAIR Research Data in Converged HPC-Cloud-Big Data Architectures
Hans Hehl: Das Multisuchsystem E-Connect – Suchsystem für elektronische Zeitschriften und Literaturverwaltung
Phil Höfer: Websuche als Zero-Knowledge-Dienst
Pablo Panero; Ismael Posada Trobo; Carina Rafaela de Oliveira Antunes; Andreas Wagner; Citadel Search: Open Source Enterprise Search

Techno-Religion: Der Geist des digitalen Kapitalismus

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Der Soziologe Oliver Nachtwey hat in einem Vortrag, Interview und Working Paper den religiösen Geist des digitalen Kapitalismus analysiert.

re:publica 2019 – Oliver Nachtwey: Der Geist des digitalen Kapitalismus. Solution und Techno-Religion
Interview auf dctpTV Der religiöse Kapitalismus der Internet-Giganten
Working Paper Die Ethik der Solution und der Geist des digitalen Kapitalismus

„Im digitalen Zeitalter erleben wir die Entstehung eines neuen polytheistischen Geistes des Kapitalismus, der vor allen Dingen aus dem Silicon Valley kommt. Der digitale Geist beruht auf einer Ethik der Solution, die vorgibt, die Welt zu verbessern, und als Nebenfolge eine metrische Lebensführung vorbringt. Technologien wie künstliche Intelligenz sind in diesem Geist nicht nur Hilfsmittel, sondern sakrale Subjekte, die auf magische Art und Weise gesellschaftliches Handeln bestimmen. Sie werden zu Göttern in der digitalen Welt. Der Mensch selbst soll so ein promethischer Gott werden. Es entsteht insgesamt eine Technoreligion.“

Solutionismus wird dabei nach Evgeny Morozov so definiert: „Das Bestreben, alle komplexen sozialen Zusammenhänge so umzudeuten, dass sie entweder als genau umrissene Probleme mit ganz bestimmten, berechenbaren Lösungen oder als transparente, selbstevidente Prozesse erscheinen, die sich … leicht optimieren lassen.“ Für normative Trade-Offs z.B. zwischen Freiheit und Sicherheit, demokratische Kompromisse und letztlich die parlamentarische Demokratie bleibt dabei kein Platz. Da die digitale Technik die Lösungen bietet, erscheint der Staat in libertärer Sichtweise nur als überflüssig, der im Wege steht und nur partikulare Interessen verteidigt.

„Es handelt sich bei dem neuen digitalen Geist nicht um eine monotheistische, sondern um eine postmoderne Religion, die Versatzstücke verschiedener Weltreligionen und religiöser Praktiken miteinander verkoppelt und dabei auf eine kohärente Metaphysik verzichtet Sie kombiniert transhumanistische Heilslehren und Lösungsphantasien mit einem magischen Technikverständnis, an deren Ende neue Götter stehen.“

Der Transhumanismus hat dabei zwei Aspekte:

  1. Die künstliche Intelligenz soll über die komplexen Fähigkeiten menschlicher Kognition nicht nur hinausreichen, sondern auch von ihr nicht mehr nachvollziehbar sein. Die Vorstellung des absoluten Wissens, die Eliminierung von Kontingenz und vor allem des Nichtwissens ist im Grunde eine göttliche Vorstellung. „Dem Menschen unergründlich, wird sie selbst eine Gottheit.“
  2. In einem eschatologischen Glauben an die technologische Potentialität soll die menschliche Subjektivität in den Informationsraum hochgeladen werden. Dies beginnt schon bei der metrischen Kontrolle, die nicht nur Einkaufsgewohnheiten, sondern auch die Frequenz unserer Prokrastination und Süchte als Sünde – Abweichung von der rationalen Selbstoptimierung der liberalen Mittel- und Oberschicht – festhält.

Die Vorstellung der Transhumanität schafft nur für einige wenige der globalen Klasse aus Kreativen und Superreichen einen freien Raum. „Für alle anderen entsteht eine neue Gefahr digitaler Herrschaft, eine neues, wie es Max Weber ursprünglich genannt hatte, stahlhartes Gehäuse. Nur dass diesmal das stahlharte Gehäuse aus Algorithmen und unseren zuvor freiwillig hergegebenen Daten besteht.“

„Wir müssen die Debatte über Technologie, das Internet und soziale Medien vor allen Dingen als eine Debatte über die Zukunft der Demokratie und die Zukunft der Gesellschaft und ihren sozialen Implikationen führen.“

Dabei ist die Analyse der transhumanistischen Religion keine abgehobene Ideologiekritik, sondern hat unmittelbar praktische Folgen für diesen Diskurs. Wird sie erkannt, können wir sie ganz anders hinterfragen. Die Gesellschaft als Entscheidungsträger kann verschiedene Optionen abwägen und sich nicht einem im Fortschrittsglauben verankerten geschichtsdeterministischen Verständnis hingeben, wonach die Technik uns zwangsläufig an Orte treibt, wo in Wirklichkeit andere Triebkräfte gestalten.