Das Dilemma der Algorithmen und Daten

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Kai Burkhardt, Kamala Harris. Die Frau, die Google und Facebook zerschlagen kann – wenn sie will, Die Welt 14.12. (hinter der Bezahlschranke) beschreibt, dass Harris aufgrund ihrer Kenntnisse der Tech-Firmen in Kalifornien in der Lage sein könnte, die Internetkonzerne zu deregulieren.

Zunächst geht er davon aus, dass die gesellschaftlichen Schäden, die insbesondere Social Media durch die Methoden der Nutzerführung und Manipulation erzeugt haben, „nicht mehr ohne Weiteres zu reparieren“ sind. „Die politischen Identitäten, die sich in den Resonanzräumen der Internetkonzerne gebildet haben, werden auch nicht einfach in den politischen Mainstream zurückkehren.“
Wer aber könnte die technischen und finanziellen Mittel verfügen, um diesen Prozess zu korrigieren, wenn nicht die Verursacher, die Internetkonzerne selbst? Die verschiedenen Aspekte dieses Dilemmas werden analysiert.
Programmierer zeichnen sich aufgrund ihrer Biographie in der Regel nicht durch gesellschaftliche Empathie aus. Ihre Produkte, die „Algorithmen sind nichts anders als die Verallgemeinerung von Hypothesen und Vorurteilen in den Köpfen von Programmieren.“ Der Programmcode zeigt sich letztlich an den Ergebnissen, der Code selbst aber kann kaum ohne Hilfe künstlicher Intelligenz darauf geprüft werden, was er nicht oder zur Zeit nicht liefert und was er in anderen Konstellationen liefern könnte. „Künstliche Intelligenz kann aufgrund ihrer schieren Komplexität also wiederum nur von einer anderen Künstlichen Intelligenz untersucht werden und da beißt sich nun die Katze in den Schwanz, denn das Ergebnis einer Simulation kann nicht simuliert werden.“ Aber selbst wenn dies gelänge, wären Algorithmen ohne Daten wertlos. Jenseits der von den Internetfirmen selbst erhobenen Daten gerät der Umgang mit Daten durch die Datamining-Firmen, die jegliche Arten von Daten zu Profilen verknüpfen, in eine neue Dimension. Burkhardt sieht eine Chance in einem zentralen „Open-Source-Katasteramt“, „das Datensätze nicht nur verwaltet, sondern auch erforscht und beschreibt, bevor sie an Dritte weitergegeben werden.“ Es wäre möglich, dass sich die Internetkonzerne unter dem politischen Druck einer Zerschlagung ihrer Konzernstrukturen in die Richtung eines anderen Umgangs mit Daten bewegen.

Das einsame Netz – Lonely Web

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„Der Grossteil aller Videos und Bilder im Internet wird kaum angesehen.“ Kathrin Klette: Das «einsame Netz» ist der radikalste Teil des Internets, Neue Zürcher Zeitung vom 21.08.2020 analysiert den Teil des Internet, vermutlich über die Hälfte der Inhalte, Videos, Bilder, Beiträge, die offen zugänglich, aber nicht mehr sichtbar sind. „Sie sind durch die Algorithmen gerutscht, verschwunden im gigantischen Unterbauch des Internets. Dort dümpeln sie nahezu unentdeckt vor sich hin“. Das „einsame Netz – Lonely Web“ enthält einen Raum der Einsamkeit, dessen Inhalte entweder gegen die Netzlogik verstoßen oder von den Algorithmen aussortiert werden. In Youtube erzielen 10% der Videos etwa 80% der Aufrufe. Stellt man Inhalte ins Netz, kann man nicht unbedingt mit einer mit einer viralen Resonanz rechnen. Ein Großteil des einsamen Netzes fühlt sich aber schon darin wohl, Inhalte in eine potentielle Öffentlichkeit zu bringen und damit deren Status zu verändern. „Normalerweise gilt im Netz das Prinzip: Ich werde gesehen, also bin ich. Für die einsamen Filmer gilt dagegen offenbar: Ich poste, also bin ich.

Verschiedene Anwendungen haben jetzt Inhalte des einsamen Netzes ans Licht gehoben:
–  Astronaut, Default Filename TVPetit-Tube und Underviewed :Youtube-Videos, die so gut wie nicht angesehen worden
Kickended : gescheiterte Fundraising-Kampagnen

Früherer Artikel zu Lonely Web:
Joe Veix: How the weird, unfiltered internet became a media goldmine, Splinter 1.6.16