Virales Meme

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„Wie schafft man ein virales Meme? Kognitionswissenschaftlerin Sam Ayele und TikTok-Programmchefin Yasmina Banaszczuk über die die Regeln und Gefahrren einer neuen Kommunikationsform, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 05.09.2021 Papierausgabe
„Ein Meme (ausgesprochen [miːm], Mehrzahl Memes) ist ein spezieller, kreativ geschaffener Bewusstseinsinhalt, der sich unter Menschen verbreitet. Meist handelt es sich dabei um einen kleinen Medieninhalt, der über das Internet verbreitet wird, wie ein Bild mit einer kurzen prägnanten Aussage. Diese ist in der Regel humoristisch und aufheiternd, manchmal auch satirisch und entsprechend gesellschaftskritisch.[1][2] Memes sind seit vielen Jahren ein bedeutender Teil der Netzkultur.“ so Wikipedia.

Was aber macht das Erfolgrezept eines viralen Memes aus: (Ayele): „Memes, die viral gehen, vereinen in jedem Fall Unvorhersehbarkeit und Unbekanntes. Es muss glaubwürdig und skalierbar sein, die Nutzer ansprechen und einen Mehrwert haben. Dazu muss ein Meme teilbar sein. Die Leute müssen also denken: ‚Das wird meinen Freunden auch gefallen“ und es mit ihnen teilen.
… Ein gutes Meme lässt Lücken, die gefüllt werden müssen. Wie bei einem Puzzle. Es lässt Raum für den Betrachter zur Interaktionen, statt nur hundert Prozent von dem wiederzugeben, was man selbst denkt. Insgesamt etwa 75 Prozent Inhalt, know your memendie anderen 25 muss der Betrachter ausfüllen.

Die Webseite „Know your Meme“ sammelt mit Hilfe einer Wiki-Software Memes aus dem Internet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Know_Your_Meme (Wikipedia)
https://knowyourmeme.com/

Suchmaschine Brave

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BRAVE war als Browser angetreten, das Internet-Geschäftsmodell zu revolutionieren. Die automatisiert dem Benutzer aufgespielte Werbung sollte blockiert werden. Der Benutzer sollte stattdessen mit Micropayment über eine Kryptowährung für das Ansehen von Werbung bezahlt werden. Dies ist vor allem an dem Widerstand der Werbetreibenden gescheitert. Mit dem akquirierten Geld von Investoren startet Brave jetzt eine Suchmaschine. In den Ankündigungen zunächst wieder euphorisch für den Datenschutz gepriesen, wurde dieser schon in Diskussionen hinterfragt, weil Brave bei der Suchanzeige Identifikatoren mitsendet. Aber was ist mit dem eigentlich Zweck einer Suchmaschine, der Suche?
Brave behauptet, einen eigenen Index zu haben: „Brave Search beta is based on an independent index, the first of its kind. However, for some queries, Brave can anonymously check our search results against third-party results, and mix them on the results page. This mixing is a means-to-an-end toward 100% independence. For full transparency and to measure Brave’s progress toward that goal, Brave provides a “Results independence” metric. This anonymous calculation shows the % of search results that come from Brave versus these third parties. Note that no matter the independence metric, your privacy will always be 100%.

Heise berichtet: „Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der amerikanische Browser-Hersteller die Suchmaschinen-Technologie Tailcat aus dem Nachlass der Burda-Tochter Cliqz gekauft hat.“ Wie der eigene Index aussieht und welche „third-party results“ wie eingemischt werden, bleibt unklar.

Der Archivar und Blogger Klaus Graf hat schon andere Suchmaschinen mit Known Item Searches geprüft. Hinsichtlich der Brave Suchmaschine kommt er zu dem Ergebnis:Die neue Suchmaschine https://search.brave.com/ überzeugt mich als Google-Alternative nicht. Bei meinem großen Suchmaschinentest 2021 hätte die Suchmaschine nicht einmal das Knockout-Kriterium a) geschafft. Bei einer Auswahl der 18 Fragen ergab sich folgendes schwache Bild: 6 null Punkte, 7 zehn = Maximalpunktzahl, 8 (Bookmarkfunktion) null, 9 zehn, 13 null, 16 zehn, 18 null. Macht 30 Punkte, Google 60 Punkte (neu überprüft).“

https://brave.com/search/

Internet Archiv wird 25

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Das Internet Archiv https://archive.org/ wurde 1996 als gemeinnütziges Projekt zunächst als reines Webarchiv gegründet, in dem Webseiten zu verschiedenen Zeitpunkten archiviert wurden. Siehe auch die Darstellung in Wikipedia. Inzwischen hat es sich zu einem umfassenden digitalen Archiv entwickelt:
588 Milliarden Webseiten
28 Millionen Bücher und Texte
14 Millionen Audioaufnahmen (davon 220.000 Live-Konzerte))
6 Millionen Videos (einschließlich 2 Millionen Fernsehnachrichtenprogramme))
3,5 Millionen Bilder
580.000 Softwareprogramme
Für das Retrieval besonders interessant ist die Wayback Machine, mit der man Webseiten, die zu verschiedenen Zeitpunkten archiviert wurden, aufrufen kann. Am Freitag, 22. Oktober 2021 03:00 – 04:30 UHR MESZ wird es zu dem Jubiläum eine Festveranstaltung geben.

Neuzeitliche Informationsvermittlung als „Suchmaschine“

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Der neuzeitliche Umgang mit Informationen führte in den Metropolen zur Gründung von Informationsbüros, in dem keine persönlichen Netzwerke und Klientelbeziehungen für den Zugang zu Informationen erforderlich waren. Richard Hemmer und Daniel Meßner: Kleine Geschichte eines Arztes, der vor Langem die Suchmaschine erfand, Spektrum 28.07.2021 beschreiben, wie Théophraste Renaudot (1586–1653) 1630 in Paris das »Bureau d’adresse« gründete. Das Dienstleistungsunternehmen vermittelte gegen eine geringe Gebühr Arbeit, Wohnungen, Tiere und Gegenstände. Später gingen die Adressbüros in Zeitungsredaktionen auf, die Informationen nicht direkt vermittelten, sondern öffentlich als Anzeigen präsentierten.

Anton Tantner: Adressbüros im Europa der Frühen Neuzeit, Habilitationsschrift Wien 2011

Strukturwandel des Wissens im Web

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Hans Ulrich Gumbrecht: Google weiss viele Antworten auf unsere Fragen. Wir lernen auch gerade, dass Wissen im herkömmlichen Sinn sich verändert. Aber wie es sich verändert, weiss nicht einmal Google, Neue Zürcher Zeitung 10.08.2021 analysiert den Strukturwandel des Wissens durch die Suchmaschinentechnologien des Web. Zunächst beschreibt er das Selbstbild des Menschen, die „Grenze zwischen dem Menschenmöglichen und dem früher Unmöglichen„,  der Unerreichbarkeit,  aus dem sich die Allwissenheit der monotheistischen Götter entäußert. Im Mittelalter geht noch das Wissen aus der Gnade der göttlichen Offenbarung hervor und verbleibt selbst schriftlich fixiert in diesem hermetischen Rahmen. „Erst mit den Säkularisierungsschüben der frühen Neuzeit und der aus ihr entstehenden Erwartung einer offenen Zukunft wurde Wissen zu einer von den Menschen selbst produzierten konzeptuellen Erfassung der Welt, die auf permanente Erweiterung gestellt war und zunehmend auch auf Verbesserung der Welt.“

Die Ordnung des Wissens unter der Prämisse der Objektivität geht nunmehr in der Allwissenheit des World Wide Web auf. Dabei wird das absolute, statische Wissen, das sich durch seine Qualität definiert,  in einer Handlungsorientierung, die sich in Fragestellungen wiederfindet,  durch die Suchmaschinen aufgelöst und findet ihr Wahrheitskriterium in Prognosen statischer Wahrscheinlichkeit, „der arithmetisch erfassbaren Zahl der jeweiligen Benutzer.“

Während noch oft an dem traditionellen Bildungsanspruch festgehalten wird, sind die Folgen eines solchen quantifizierenden Wissens noch nicht abzusehen.

Covid-19: Gefangen im physikalischen Datenmodell

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Der Expertenrat Corona der Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat in seiner 6. und abschließenden Stellungnahme „Das Coronavirus als Teil unserer Lebenswirklichkeit begreifen“ auf die drohende „unfruchtbare Dominanz von allein auf das Infektionsgeschehen konzentrierten Modellanalysen“ hingewiesen:
„In der aktuellen Pandemie hat sich deutlich gezeigt, dass neben der unverzichtbaren naturwissenschaftlichen und medizinischen Expertise dringend sozialwissenschaftliche Kompetenzen vor allem der Soziologie und Sozialpsychologie, sowie historische, rechtliche, ethische und kommunikationswissenschaftliche Expertise sowie die breite Erfahrung von Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens einbezogen werden sollten. Wird diese Chance versäumt, einen multi- und transdisziplinären Diskurs zu organisieren, droht eine unfruchtbare Dominanz von allein auf das Infektionsgeschehen konzentrierten Modellanalysen.“
Dies stimmt in der Aussage mit meinem Beitrag „Corona: Physikalische oder soziologische Modelle“ überein. Allein: Dies ändert nichts an der Dominanz der physikalischen Modelle, die sich selbst gegen geringfügige Modifikationen immunisieren.
Tobias Haberkorn hat in einem Beitrag „Der große Modelliererstreit: Wurden die Kontaktbeschränkungen überschätzt? Einer der angesehensten Mathematiker Deutschlands hat eine systematische Verzerrung in den Pandemieprognosen entdeckt. Was folgt daraus?“ Berliner Zeitung 27.6.2021 nachgezeichnet, wie allein Änderungen von Parametern innerhalb der Modellierungen – nicht etwa empirische Daten über das Verhalten innerhalb gesellschaftlicher Strukturen – ausreichen, um aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgegrenzt werden. Die Mathematiker Mathias Kreck und Erhard Scholz kritisieren das empidemiologische SIR-Standardmodell, das den Beitrag eines Infizierten als exponentialverteilt annimmt: „Sofort nach der Ansteckung ist g(t) maximal und sinkt dann recht schnell in Richtung der Null ab, ohne diese je zu erreichen. Der Hintergrundfunktion zufolge ist ein Positiver also ganz zu Anfang seiner Infektion für seine Mitmenschen am gefährlichsten.“ Gegen dieses Modell eines unrealistischen Infektionsverlaufs entwickelten sie ein eigenes Modell: „Kreck und Scholz entwickelten ein diskretes Modell, in das die biologische feststellbare Viruslast und andere real erhebbare Daten wie die tägliche Zahl der Neuinfektionen, die Zeit zwischen Symptombeginn und Quarantäne, die veränderlichen Kontaktraten direkt einfließen.“ Praktische Folge wäre gewesen, die Zeit bis zu einer Quarantäne zu verkürzen.
Natürlich werden wir hier nicht klären können, welche Modellrechnung richtiger ist. Aber wichtig erscheint mir, dass es nach wie vor keinen breiten öffentlichen Diskurs über Daten und Datenmodelle gibt.

Matthis Kreck, Erhard Scholz: Nur einen Tag! Eine effektive ergänzende Massnahme zur Eindämmung von Covid 19 (Kurzfassung)
Matthis Kreck, Erhard Scholz:Studying the course of Covid-19 by a revursive delay approach

Theorie des #Hashtags

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Andreas Bernard, Professor für Kulturwissenschaften am „Centre for Digital Cultures“ der Leuphana-Universität Lüneburg: Theorie des #Hashtags, in: Geschichte der Gegenwart 19.05.2021 

In dem #Hashtag verdichten sich die unterschiedlichen Funktionen von Schlagworten (Wörter oder kurze Phrasen, die einen Sachverhalt prägnant und verkürzt zuspitzen)  und den Schlagwörtern oder Deskriptoren  (inhaltliche Erschließung von Sachverhalten anhand eines kontrollierten Vokabulars) .  Es soll einerseits die Suchbarkeit innerhalb des digitalen Mediums sicherstellen, enthält aber darüber hinaus ein allgemeines „Aufmerksamkeitsversprechen„, das selbst in die analoge Welt ausstrahlt.  „Das # ist also längst kein rein funktionales Sonderzeichen mehr, sondern ein verheißungsvolles gesellschaftliches Symbol. Es steht für die Erzeugung und Anhäufung öffentlicher Aufmerksamkeit.“ 

Bernard sieht in diesem „Gestaltungsprinzip von gesellschaftspolitischen Debatten“ gleichzeitig ein Strukturproblem. Inhalte und Konflikte und Homogenisierungs- und Nivellierungstendenzen gehen nicht zuletzt auf die Organisation von Debatten mittels des #Hashtags zurück. 

Die Genese des #Hashtags ist einerseits auf den politischen Aktivismus („Hashtag Activism“) (von den herkömmlichen Massenmedien nicht ausreichend repräsentierte Positionen machen sich geltend) und andererseits auf den Einsatz als Marketing-Instrument („Hashtag Marketing“) (Kundenbindung durch selbst gestaltetes mediales Umfeld, was letztendlich auch im Schutz von #Hashtags als Markenzeichen münden kann) zurückzuführen. Die gemeinsame Funktionsweise verweist auf ein strukturelles Problem:

„Hashtags, so könnte man sagen, kommodifizieren die Wörter, die ihnen folgen. Wenn Georg Lukács 1923 im berühmten „Verdinglichungs“-Kapitel von Geschichte des Klassenbewusstseins zeigen wollte, „wie weit der Warenverkehr die herrschende Form des Stoffwechsels einer Gesellschaft ist“, dann gilt diese Diagnose ein knappes Jahrhundert später sicher für die Metabolik der Sozialen Medien. Nicht-katalogisierbare, einzigartige, widerspenstige Bausteine sind in der Logik des Hashtags irrelevant. Anstatt dessen geht es um die größtmögliche Anhäufung von Beiträgen, um die Akkumulation des gleichförmigen, unter identischem Schlagwort subsumierten Aussagenkapitals, das sich in quantifizierbaren Listen wie den „trending topics“ abbilden und weiter vermehren soll.“

„Der Hashtag bringt die verstreuten Stimmen zum kollektiven Ertönen und nimmt ihnen gleichzeitig das, was an ihnen unverrechenbar ist.“

Startpage als alternative Suchmaschine

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Simon Hurtz hat ein Interview mit Startpage-Chef Robert E.G. Beens durchgeführt. Süddeutsche Zeitung 29.06.20121 (hinter der Bezahlschranke)
Startpage als alternative Suchmaschine soll sich danach besonders durch den Datenschutz von anderen Suchmaschinen abheben. Die Suchergebnisse selbst werden von Google übernommen. „Google liefert uns nur die Ergebnisse, wir bezahlen sie dafür. Es fließen keine anderen Daten, wir tracken nicht, legen keine Profile an, speichern nichts.“ Im Unterschied zu Google schaltet Startpage keine verhaltensbasierte, sondern nur kontextbezogene Werbung, d.h. es werden Anzeigen angezeigt, die sich direkt auf die Suchfrage beziehen.
Beens betont die Wichtigkeit des Datenschutzes für Suchmaschinen, aber  auch allgemein im Internet, wenn Datenpunkte gespeichert und zu Persönlichkeitsprofilen verknüpft werden. Die Nutzung alternativer Suchmaschinen oder Messenger sieht er als wichtigen Schritt an, um Firmen zu einem anderen Geschäftsmodell zu zwingen. 
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Startpage hat allerdings weder in dem Zugriff auf die Daten von Google noch in Sachen Datenschutz ein Alleinstellungsmerkmal. Die Evaluation von Suchmaschinen für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Zwecke bleibt nach wie vor eine wichtige Aufgabe.

Like-Button als Mythos und Rechtsproblem

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Christoph Beat Graber: Der Like-Button war gedacht als Hilfe für die Menschen, heraus kam ein Spion. Wie die Nutzung einer Technologie neues Recht entstehen lässt. Neue Zürcher Zeitung 28.06.2021
Graber, Ordinarius für Rechtssoziologie und Medienrecht an der Universität Zürich, zeichnet die Entstehung des Like-Buttons aus dem Bemühen, kommunikative Hürden und Zurückhaltung der Facebook-Nutzer zu überwinden, nach. Diese gemeinwohlorientierte Entwicklung wurde durch die kommerzielle Nutzung, „über den Like-Button genauere Kenntnisse der Nutzerpräferenzen zu erhalten, um so die zugänglich zu machenden Inhalte noch präziser auf das Persönlichkeitsprofil jeder einzelnen Nutzerin zuzuschneiden“, konterkariert.
„Als sich der durchschlagende Erfolg des Plug-in abzuzeichnen begann, publizierte Facebook eine «Copy and paste»-Software, die es nun jeder beliebigen Website ermöglichen würde, jeden Eintrag oder Post mit einem Like-Button zu versehen. Websites, die mit einem Like-Button bestückt sind, transferieren die persönlichen Daten jedes Besuchers an Facebook. Das gilt selbst dann, wenn der Besucher kein Facebook-Mitglied ist und nie auf den Button geklickt hat.“  Von der ursprünglichen Intention bleibt nur noch der Mythos kommunikativer Teilhabe.

Die Kritik im Netz an dem Like-Button verdichtete sich zu einem Gegenmythos „als sozial schädlichen Mechanismus zur Förderung psychologisch manipulativer Werbung“, der letztlich in normativen Erwartungen mündet. Gerichte können allerdings nur dann unbestimmte Gesetzesbegriffe klären, wenn überhaupt schon – wie im Fall des Datenschutzrechts der EU – Regelungen vorliegen. „In anderen Fällen werden wohl neue Gesetze nötig sein. Für Gesetzgeber besteht die grösste Herausforderung darin, dass die Affordanzen vieler technologischer Artefakte oder Systeme versteckt sind. Es sollten somit Verfahren entwickelt werden, die gemeinwohlfreundliche Affordanzen entdecken helfen und deren Stabilisierung fördern. Dazu wären Diskurse zu institutionalisieren, die so inklusiv wie möglich sind und nicht nur Expertinnen, Politiker oder Schulen aller Stufen, sondern auch breite Kreise der Zivilgesellschaft einbeziehen.“

Suchmaschinentest 2021 mit Known Item Search

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Es gibt zahlreiche Suchmaschinentests, die sich häufig abstrakter Kriterien wie Datenschutz (oft nur anhand der Geschäftsbedingungen geprüft) bedienen oder aber eine Skalierung der Suchergebnisse behaupten, ohne die Suchen und Suchstrategien offenzulegen.
Der Historiker und Archivar Klaus Graf hat in seinem Blog Archivalia einen aktuellen Suchmaschinentest durchgeführt: „Großer Suchmaschinentest 2021: Alternativen zu Google?“ 
Durchgeführt wurden 18 Suchaufgaben aus dem Bereich Geschichte, davon 3 aus dem eigenen Blog Archivalia und 3 Digitalisate. Die meisten können als Known Item Search eingeordnet werden, wobei er die beste Suchmaschine auch als „Bookmarkersatz“ nutzt. Als Treffer wertet er teilweise nur, was auf Platz 1 der Trefferliste steht oder unter den ersten 5 Treffern erscheint. Graf kommt nach der Auswertung zu folgendem Ergebnis.
Google 180
Etools 180
Lukol 155
Startpage 125
Metager 90
Swisscows 90
Searchencrypt 80
Qwant 75
Bing 70
Duckduckgo 50
Erstaunlich ist vor allem das gute Abschneiden der Schweizer Suchmaschine Etools, Lukol und Startpage zehren von der Übernahme der Google Ergebnisse.
Eine Suchmaschine soll die fachlichen Bedürfnisse des Benutzers abdecken. Dass Graf diese operationalisiert und die Ergebnisse offenlegt, ist ein wichtiger Beitrag zur Evaluation von Suchmaschinen. Da es sich um Known Item Searches handelt und die fachliche Ausrichtung sehr speziell ist, kann dieses Ergebnis als wichtige Anregung, aber nicht als repräsentativ betrachtet werden. Evaluation von Suchmaschinen anhand von zusätzlichen Themen- , Fakten- und Produktrecherchen unter Einbeziehung von Recherchestrategien sind allerdings sehr schwierig durchzuführen.

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