Der Einfluss von Social Bots auf Wahlen: The Failure of Social Bots Research

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Michael Kreil, data  scientist, data  Journalist und open  data  activist, hat untersucht, ob tatsächlich Social Bots Wahlen von Donald Trump und den Brexit beeinflusst haben. Vortrag und Materialien hierzu hat er auf Github zur Verfügung gestellt: The Army that Never Existed: The Failure of Social Bots Research .video, slides, graphics, code, data and links by Michael Kreil. (November 2019) Hierzu untersucht er die Untersuchungen dreier Forschungsgruppen, auf die diese These zurückgehen: Comprop/Oxford: »Computational Propaganda Research Project« of Oxford University, Southern California/Indiana: Work of Emilio Ferrara (University of Southern California) and Alessandro Flammini (Indiana University), Berkeley/Swansea: Work of Oleksandr Talavera and Tho Pham (Swansea University) and Yuriy Gorodnichenko (University of California at Berkeley).

Er kommt zu dem Ergebnis, dass alle drei schwere wissenschaftliche Mängel aufweisen. Insbesondere werden Spam und normale Tweets falsch als politische Social Bots eingeordnet:
„Social Bot research is scientifically inaccurate on all levels.
In the last years the claim that “Social bots influenced elections” has spread widely. This theory can be fully explained by serious scientific mistakes made by researchers.
All the papers about social bots have to be reviewed again and have to be revoked if necessary.
This includes all other research from all other groups that have based their research on these flawed methods.
Do social bots exist? Probably. However, there is no evidence that they exist in large numbers, have influenced elections in any way or caused any other sort of problems.“

Er fordert statt der Schuldzuweisung an Social Bots eine politische Analyse: „Other reasons must be considered as potential causes for the election of Donald Trump, Brexit, the rise of the AfD in Germany and other similar issues: Outdated electoral systems, gerrymandering, the crisis of media, an easier rise of social movements through social media, right-wing narratives, and especially racism as a mass phenomenon are among the contemporary dynamics that should be studied as possible explanations for the main political events of the last years.“

Image und Selbstbild im Datenstrom. Straflust und Strafangst im digitalen Gefängnis

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„Wenn jemand bei Facebook „postet“, dann löst er etwas von sich ab, und unterstellt es der Begutachtung und Bewertung all jener, denen der Einblick gewährt ist.“ Manuel Güntert: Unser digitales Image, in: Hohe Luft 08.01.2020 analysiert die Dichotomie zwischen dem öffentlichen Teil der Selbstdarstellung im Datenstrom, dem digitalen Image, und dem verbliebenen Rest, von deren Teilhabe die digitale Welt ausgeschlossen ist. Selbst dieser Rest ist aber schon durch diese Unterscheidung bestimmt, deren Regeln der Datenfluss setzt und die als digitales Image verinnerlicht werden und zur Selbstkontrolle zum Einsatz kommen.
„So machen anerkannte Eigenschaften und ihre Beziehung zum Image aus jedem Menschen seinen eigenen Gefängniswärter; es ist dies ist ein fundamentaler sozialer Zwang, auch dann, wenn ein Mensch seine Zelle gerne mag. Der digitale Fluss steht so für die unumgängliche körperlose Verkörperung der je eigenen Unterwerfung unter die je Anderen. Dabei ist jeder Einzelne immer sowohl Beobachter wie auch Beobachteter und dadurch immer sowohl Unterwerfer wie auch Unterworfener.“
Dieses digitale Gefängnis übt den Häftling in ein „Modell des Gehorsams“ ein, wenngleich die freie Ausgestaltung der Zelle die Fiktion von Individualität enthält. Der Datenfluss, dem „verinnerlichte Beobachtung zwingend vorgängig ist“, wirkt so massiv auf den Einzelnen ein, prägt den „digitalisierten Beobachter in ihm“
„Insofern die innere Beobachtung einem den Raum zwar zu Teilen gibt, ihn insgesamt aber eher nimmt, wird über das so generierte digitale Image Transparenz hergestellt: Indem es unser Inneres ausleuchtet, gleicht unser je „individuelles“ digitales Image uns Menschen einander an.“
Die vollständige Herstellung der Homogenität, die Individualität aufgesogen hat, im Datenstrom wird nur dadurch verhindert, dass der Datenstrom seine Fließrichtung ändern kann. „Wiewohl er eine Marginalie ist, kann jeder einzelne Teilhaber diese potentiell umlenken, und sei es nur durch ein einzelnes, immenses Aufsehen erregendes Posting. So beinhaltet der Kampf um Aufmerksamkeit, der dem Posten notwendig innewohnt, immer auch ein Tauziehen, in welche Richtung der Fluss zu fließen hat. Wer sich imstande zeigt, dessen Fließrichtung zu bestimmen, der wirkt auf etwas ein, an dem die je Einzelnen schlechterdings nicht vorbeikommen, wenn sie ihr eigenes digitales Image ausgestalten.“
Allerdings beinhaltet die Abweichung immer das Risiko und die verinnerlichte Angst, Imageeinbußen durch ein Shitstorm zu erleiden. Der digitale Fluss, der „von Straflust und Strafangst durchströmt ist“ wird so im wesentlichen in seiner Fließrichtung gehalten.