Wissen im digitalen Zeitalter

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Wie konstituiert sich Wissen im digitalen Zeitalter? Eduard Kaeser: Vorsicht, Tunnelblick! – Wissen im Zeitalter der Datenabfrage, in: Neue Zürcher Zeitung 02.02.2019 unterscheidet zunächst vier Typen des Wissens: Wissen-wie (Know-how, physischer Umgang mit Sachen und Personen, Beherrschung der Techniken, Erfahrung, handwerkliche Tradition), Wissen-warum (Know-why, Theoretiker, Analyse von Kausalität), Wissen-was (Know-what, Sammler von Daten und Fakten, Korrelation), Wissen-wo (Know-where, Datenabfrage per Suchmaschine). Durch die Machtposition des digitalen Mediums verschiebt sich die Hegemonie der Typen des Wissens zum Wissen-wo und zur Sammlung von Korrelationen – mit fatalen Folgen.

„Das Erkenntnisinteresse der Query unterscheidet sich von jenem der Wissenschaft. Wissenschaft geht von einer Theorie oder Hypothese aus und sucht diese durch Datenmaterial zu bestätigen, also: Theorie vor Daten. Die Query durchkämmt Datenmassen, vergleicht Datensätze und stellt fest, ob die Korrelation eine Hypothese nahelegt, also: Daten vor Theorie. Wir hören auf das Rauschen im Datenozean und warten auf die Signale, die uns die Suchmaschinen liefern. Wir geben uns damit zufrieden, die Signale verwenden zu können. Aber verstehen wir sie auch?“

Wissen-wie (Erfahrung und Expertentum) – wozu auch die Techniken des Information Retrieval gehören – und Wissen-warum geraten in den Hintergrund. Die Balance der Wissenstypen geht verloren.

Würde Platon googeln?

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Adrian Lobe: Würde Platon googeln?, In: Neue Zürcher Zeitung 16.6.2017 reflektiert unter Bezug auf das Buch von Rebecca Newberger Goldstein „Plato at the Googleplex“ , in dem Platon ein Gespräch mit einem Google-Programmierer führt, das Verhältnis verschiedener Auffassungen von Wahrheit, ihrer Voraussetzung und Reflektion.

Ist Wahrheit die Sammlung, Indexierung und Verknüpfung von „genügend“ Daten, so dass der Kern der Wahrheit sich aus dem Maß der Daten herausschält? Die Maschine trifft hier bestimmte Vorannahmen, die wiederum von den Programmierern bestimmt werden. „Der Ausschluss von Experten würde in einer Philosophenherrschaft münden: Die Programmierer avancierten zu Philosophenkönigen.“ Oder zielt Wahrheit auf Reflektion, die bloße Wirklichkeit transzendiert, ein Bewusstsein hat, woher, wie und mit welchen Schranken wir wissen. „Nach Platon korrumpiert nichts die Suche nach Wahrheit so sehr wie die Gewissheit, dass man bereits in ihrem Besitz ist. Genau das suggeriert der algorithmische Absolutionsanspruch nämlich – den Trugschluss, Daten hätten eine Eigenevidenz.“