Corona App: Scheitern und Schuld

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Eine Corona App soll den Zeitraum zwischen dem Auftreten erster Krankheitssymptome bei einer Person und dem Tracking ihrer Kontakte, die sie angesteckt haben könnte, durch die Amtsärzte verkürzen. Die institutionelle Disziplinierung und Regulierung der Körper reicht hier nicht aus. Foucault hat beschrieben, wie die Disziplinarmacht nicht nur von außen durch Institutionen, sondern auch von innen als Selbstdisziplinierung wirkt.

Ein geeignetes Handy liegt vor, die App ist von der betroffenen Person installiert und immer eingeschaltet. Ziel ist es, festzustellen, ob ein Abstand zwischen Menschen, der eine existentielle Schutzfunktion hat, durchbrochen wurde. Eine andere Person hat diese Schutzzone verletzt und ihre Viren dringen in den eigenen Körper ein.

Nachdem sie von ihrer Infektion durch Test erfahren hat, soll sich die betroffene Person als Opfer outen – und gleichzeitig Täter sein, der seine Kontakte identifiziert und im positiven Handeln negative Folgen hervorruft: Die meisten Kontakte sind Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen, die sich nach ihrer Identifizierung in Quarantäne begeben sollen und soziale, berufliche und finanzielle Nachteile erleiden.

Sie befindet sich in einer Double-Bind-Situation, in der widersprüchliche Zielsetzungen verfolgt werden. (mehr …)