Nachrichtenmüdigkeit – Fatigue

Das Reuters Institute, eine britische Denkfabrik der Universität Oxford, die sich hauptsächlich aus Drittmitteln finanziert, hat ihren jährlichen Bericht 2022 vorgelegt. 92.000 Menschen auf sechs Kontinenten wurden befragt. Die wichtigsten Ergebnisse:
– Bei bis zu einem Drittel der Menschen (teilweise in Brasilien 54 Prozent und Großbritannien 46 Prozent herrscht eine Nachrichtenmüdigkeit (Fatigue) vor: Nachrichten werden entweder bewusst gemieden oder selektiv gemieden
– Das Interesse an Nachrichten geht vor allem bei zwei Gruppen zurück: 1. Jüngere, weniger gut ausgebildete, online aktive Menschen. 2. Menschen, die sich nicht auf neue Angebote des Internet einlassen wollen.
– Jüngere Menschen mit einer Affinität zu sozialen Medien konsumieren Nachrichten eher bei Instagram, TitkTok, Youtube oder Spotify
Bleiben viele Menschen in einem Gefühl der Machtlosigkeit zurück?
“More people are disconnected, interest in news is down, selective news avoidance up, and trust far from a given. The Ukraine crisis, and before it the COVID-19 pandemic, have reminded people of the value of accurate and fair reporting that gets as close to the truth as possible, but we also find evidence that the overwhelming and depressing nature of the news, feelings of powerlessness, and toxic online debates are turning many people away – temporarily or permanently. Paywalls and registration gates may not be helping either, putting further barriers in the way of the content that audiences want to consume, even as they are creating more sustainable businesses for some.”

Digital News Report 2022
Executive Summary
Video Summary
Esther Menhard: Reuters Digital News Report: Mehr Menschen meiden News, netzpolitik.org 17.06.2022

Suche nach Songs

Der Blog der Firma Teufel (Lautsprecher, Kopfhörer) beschreibt verschiedene Möglichkeiten und Apps, ein Lied wiederzufinden:
Melodien
– Musikerkennungs-Apps (Shazam (Browsererweiterung, App), Beatfind  (App) erkennen ein vorgespielten Song
SoundHound (App) kann darüber hinaus auch gepfiffene oder gesummte Melodien erkennen
– Google Sprachassistent oder Google Such-App erkennen Melodien
– Auf musipedia.org kann man die Melodie vorpfeifen oder den Rhythmus über die Leertaste eintippen
Text oder Textfragment
– Google Suche
Spotify-Suche
– Songtext-Datenbanken: Genius, Lyrics.com , allthelyrics.com
Musixmatch (App): Songtexte, die zu Spotify und Yotube verlinken. Lyrics werden mit dem Lied synchronisiert, daher zum Karaokesingen geeignet

OSINT-Community

Robert Herr: OPEN SOURCE INTELLIGENCE: Der Geheimdienst der Schwarmintelligenz, golem.de 17.06.2022 beschreibt die Aktivitäten der Osint-Community im Ukraine-Krieg. Bellingcat, die Abteilung Visual Investigations der New York Times, Podcast OSINT-Bunker. Verschiedene Techniken werden beschrieben: Auswertung von Satellitenaufnahmen, Geolocating, Auswertung von Fotos und Funkverkehr. “Die Osint-Community hat seit dem russischen Überfall auf die Ukraine enormen Zulauf bekommen, sich fest etabliert und wird auch in der Berichterstattung über zukünftige Konflikte eine große Rolle spielen.”

Russische Desinformation

Barnaby Skinner: Biowaffen, Hunger – mit diesen Themen wollen die Trollfabriken den Westen spalten. Eine NZZ-Analyse von Pro-Kreml-Desinformation auf Tausenden Online-Nachrichtenportalen zeigt, welche Narrative die Russen im Ukraine-Krieg pflegen – und in welchen Sprachen, Neue Zürcher 17.06.2022 (hinter der Bezahlschranke) analysiert die russischen Trollfabriken, die vor allem in russisch, arabisch, englisch, tschechisch, polnisch und deutsch Desinformation betreiben. Verwiesen wird dabei auf die Disinfo-Datenbank der Europäischen Union, die inzwischen seit 2015 ca. 14.000 Einträge aufweist. “Bei der Datenbank handelt es sich um den gegenwärtig umfassendsten Versuch, das Ausmass russischer Desinformation begreifbar zu machen und noch wichtiger, Falschmeldungen als solche zu entlarven.” Die Datenbank versteht sich als wichtige Referenz im Fact-Checking. “Was die Datenbank nicht leisten könne, sei ein allumfassendere Blick auf das Thema Desinformation. Es sei auch schlicht unmöglich, sämtliche russischen Fake-News in einer Datenbank zu sammeln. Tatsächlich gibt es davon schlicht und einfach zu viel.”

DSVGO als Verhängnis

Vor vier Jahren am 25. Mai 2018 ist die Datenschutzgrundverordnung der EU (DSVGO) in Kraft getreten. Anlaß, einen kritischen Rückblick darauf zu werfen.
Im Dezember 2021 hat sich die  Wissenschaftskonferenz “European Data Summit” der Konrad-Adenauer-Stiftung mit der Datenschutzverordnung DSVGO  beschäftigt:  European Data Summit: Ready for Competition? | Day 2 (December 2, 2021) Winfried Veil: The blind spots of the GDPR: time for reform and repair und die folgende Diskussion Implementing and complementing it or fixing it: The GDPR – The law of unintended consequences)

Winfried Veil “The blind spots of the GDPR: time for reform and repair” diagnostiziert 13 struktuelle Probleme, die bislang noch nicht erkannt werden.

  1. Der one-size-fits-all-Ansatz verpflichtet alle gleichermaßen unabhängig von der Größe, dem Zweck (profitorientiert oder eigennützig, privat oder öffentlich) und dem Niveau (alltäglicher Prozeß oder komplizierter Algorithmus, geringes oder hohes Risiko).
  2. Alles-oder-Nichts-Ansatz: Wenn es personenbezogene Daten gibt, gelten alle Regeln des Datenschutzrechts. Umgekehrt gibt es gar keine Regelung, wenn es keine personenbezogenen Daten gibt. Entsprechend wird der Personenbezug von Daten ausgeweitet.
  3. Verarbeitung personenbezogener Daten ist grundsätzlich verboten, es sei denn, es gibt einen gesetzlichen Grund für die Erlaubnis bzw. es liegt eine explizite Erlaubnis der betroffenen Personen vor. Damit ist auch klar, dass sie sozial unerwünscht ist. Ein Generalverdacht wird konstituiert, der von dem Gebrauch von Grundrechten abhalten kann. Diese Regelungstechnik führt zu zahlreiche Ausnahmen und Diskussionen und führt zu Rechtsunsicherheit und Verrechtlichung des Alltags.
  4. Das Datenschutzgesetz ist inputorientiert, es regelt in erster Linie die Erhebung von Daten und die Speicherung von Daten. Es berücksichtigt nicht die Verwendung von Daten und klärt nicht, welcher Output sinnvoll und wertvoll sein kann.
  5.  Der Nutzen der Datenverarbeitung taucht nicht auf und ist ist keine Rechtskategorie des Datenschutzrechts.
  6. Der Focus liegt auf der Kontrolle der individuellen Verarbeitung von Daten. Demgegenüber kann das öffentliche Interesse nur unter bestimmten Bedingungen verfolgt werden, die gegebenenfalls bereichsspezifische Gesetze festlegen.
  7. Eine Privatperson kann nur im eigenen Interesse oder im Interesse eines Dritten handeln, nicht aber im öffentlichen Interesse.
  8. Die individuellen Daten werden als Objekte behandelt, als Ware, die knapp gehalten werden kann. Der Informationsgehalt und der wirtschaftliche Wert der unkörperlichen Daten werden nicht erkannt. Unsere kontextabhängigen Einzeldaten sind bei vielen Datenverarbeitungsvorgängen, wie z. B. Big-Data-Algorithmen, irrelevant.
  9. Alle Daten erscheinen gleich viel wert zu sein. Die Verarbeitung durch eine einzige zentrale lokale Stelle und gegebenenfalls einer festen physischen Ressource ist- ebenso wie der einzelne Kontrolleur – durch Cloud Computing, Blockchain und globale Vernetzung obsolet geworden.
    Das Prinzip der Begrenzung der Zweckbindung  schließt zufällige Entdeckungen auf dem Gebiet der Wissenschaft aus z.B. die Entdeckung von Korrelationen und das Prinzip der Minimierung von Daten schließt von vornherein die Zurückhaltung von Daten aus, die in öffentlichem Interesse sind.
  10. Die DSVGO basiert auf dem Grundrecht auf Datenschutz. Ein Eingriff ist dieses Grundrecht durch Verarbeitung personenbezogener Daten ließe sich nur durch ein anderes geschütztes Interesse legitimieren. Das ursprüngliche Schutzinteresse der Privatsphäre wird aber nicht mehr erwähnt, sondern zum Schutz aller Rechte und Freiheiten erweitert.
  11. Die DSVGO enthält 82 Bestimmungen, nach denen jeder Verantwortliche eine Rechteabwägung vornehmen muss. Standards und Maßstäbe für diese Prüfungen fehlen.
  12. Da es nach der DSVGO keine trivialen Daten gibt, ist die Verarbeitung personenbezogener Daten nie risikofrei. Der Zweck der Verarbeitung muss präventiv bestimmt werden und einen Rechtsweg festlegen.
  13. Stellen die Pflichten der DSVGO einen Eingriff in die Privatautonomie dar?

Die Bestandsaufnahme der DSVGO ist dort vernichtend ausgefallen: Die Verordnung gängele kleine Internetanbieter, während die Geschäftspraktiken der Datensammelwut der GAFA (Google, Apple, Facebook und Amazon) kaum tangiert werden. Die Nutzer – noch durch entsprechende Gestaltung der Webseiten und Cookie-Banner zusätzlich manipuliert – müssen in die Verarbeitung ihrer Daten einwilligen, wenn sie die Services nutzen wollen. Die weitere Aggregration und Auswertung der Daten kann kaum kontrolliert werden. Die großen Unternehmen haben das Geld und die Arbeitskraft, Einwilligungen, die man wie Gummi dehnen kann, von den Benutzern zu verlangen.

Bellingcat Tools

Bellingcat, das investigative Recherchenetzwerk, das als Open Source Intelligence (OSINT) agiert, hat verschiedene Tools für investigative Recherchen zur Verfügung gestellt:

1. Öffentlich zugängliche vorhandene Werkzeuge
Bellingcat’s Online Investigation Toolkit [bit.ly/bcattools] Tabellarische Übersicht von Tools zu WHOIS, IPs, & WEBSITE ANALYSIS

Bellingcat Osint Landscape tabellarisch (Stand: 2018)
Bellingcat Osint Landscape grafisch (Stand 2018)
Dazu ist aktuell zu ergänzen:
Osint Framework

2. Extra entwickelte Tools auf Github
Ein neues Tool ist gerade im Mai vorgestellt worden:

Anonymer Drache
Anonymer Fuchs
Anonymer Kormoran
Anonymer Kürbis
 Freigeben

Die 10 Todsünden der Digitalisierung

Thomas Middelhoff und Cornelius Boersch: Die zehn Todsünden der Digitalisierung, Berliner Zeitung 20.02.2022 beschreiben in 10 Thesen, warum Deutschland in den vergangenen 20 Jahren entscheidende Weichenstellungen bei der Digitalisierung verpasst hat und im internationalen Vergleich auf die letzten Plätze zurückgefallen ist:
1. Digitalisierung wurde als vorübergehender Sondereffekt gesehen
2. Die Einstellung zur Digitalisierung ist in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik unterentwickelt: fehlender “sense of urgency”
3. Deutsche Unternehmen haben die Plattformökonomie und damit den Kontakt zu Kunden anderen Internetkonzernen überlassen
4. Die Privatisierung der Telekom bei gleichzeitiger Kontrolle durch die Bundesnetzagentur hat den nachfrageorientierten Netzausbau behindert
5. Der Konformitätszwang bei deutschen Unternehmen verhindert eine zukunftsorientierte Investition in neue Geschäftsmodelle
6. Der falsch verstandene Konservativismus, der sich mit Pragmatismus und Opportunismus bescheidete, führte zu einem jahrzehntelangen Stillstands im Bereich der Digitalisierung
7. Deutsche Investoren konzentrieren sich auf Immobilien
8. Stillstand in der Bildungspolitik: Zu dem dualen Ausbildungssystem muss “die enge Verzahnung universitärer Ausbildung im Bereich Forschung und Lehre mit der Schaffung von Plattformen für Unternehmensgründungen (Inkubatoren) einschließlich der Bereitstellung von Finanzierungsmodellen und Know-how” hinzutreten
9. Fehlender Wille zur Veränderung durch die verkrustete Überkreuzaufsicht der “Deutschland AG”
10. Fehlende europäische Impulse, in denen Deutschland eine Rolle als Scharnier zwischen China und den USA finden kann.

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