Wissenschaftsblogs

Catharina Ochsner, Heinz Pampel, Jonas Höfting, Laura Rothfritz: Wissenschaftsblogs in Deutschland: Eine Analyse infrastruktureller Aspekte. Bibliothek Forschung und Praxis Band 49 Heft 3 24.10.2025
„Wissenschaftsblogs fördern eine offene Kommunikation wissenschaftlicher Inhalte und leisten damit einen Beitrag sowohl zum wissenschaftsinternen Austausch als auch zum Dialog mit der Gesellschaft. Eine Herausforderung stellt die Sicherung der langfristigen Verfügbarkeit von Wissenschaftsblogs und ihren Inhalten dar. Ziel dieses Artikels ist es, einen Überblick über die wissenschaftliche Bloglandschaft in Deutschland zu geben und dabei die Integration von Wissenschaftsblogs in digitale Informationsinfrastrukturen zu untersuchen. Daher wird in diesem Artikel eine Kartierung der deutschen Wissenschaftsbloglandschaft präsentiert. Hierzu wurde ein Datensatz von 866 deutschen Wissenschaftsblogs analysiert. Die Ergebnisse der Analyse bestätigen die mangelnde Integration von Wissenschaftsblogs in bestehende digitale Informationsinfrastrukturen, zeigen jedoch auch erste Bemühungen zur Sichtbarmachung und langfristigen Verfügbarkeit wissenschaftlicher Blogs und ihrer Inhalte. Die Studie präsentiert zentrale Erkenntnisse über deutsche Wissenschaftsblogs und diskutiert Strategien, um ihre Integration in digitale Informationsinfrastrukturen zu fördern, mit Relevanz für sowohl Expert:innen aus Informationsinfrastrukturen als auch Blogger:innen.“

KI App für Gesetze

Tanja Podolski: „Ein Co-Pilot für Gesetze“ , Interview mit programmierendem Syndikus, LTO.de – Legal Tribune Online – Aktuelles aus Recht und Justiz 29.11.20125
„Ein Syndikusanwalt hat alle Gesetze und Verordnungen des Bundes in eine KI-Webapp eingebunden. Ziel ist, auch eher unbekannte Normtexte nicht zu übersehen. Das Angebot stellt der 40-Jährige den Nutzern kostenlos zur Verfügung.“
https://www.wostehtdas.de/
„- Suche in natürlicher Sprache in über 6000 aktuellen Bundesgesetzen, Bundesverordnungen und weiteren Bundesnormen.
– für alle Rechtsgbiete
– kombiniert mit KI-gestützten Antworten aus dem Gesetzestext
– Gesetzestexte im Originalwortlaut direkt auf der Seite
– Hinweise auf prominente Literatur und Rechtsprechung (überwiegend Arbeitsrecht) (beta)
-kostenlos, werbefrei und ohne Registrierung“

Analyse der Schattenbibliotheken

Kjellström, Zakayo: Black open access: shadow libraries and text piracy, Doctoral thesis Umeå University, Sweden 2025
„This dissertation examines the dynamics of Black Open Access, a pirate-driven phenomenon, addressing inequities in academic publishing through shadow libraries and text piracy. Through a methodological patchwork combining netnography, computational methods, and text analysis, this dissertation investigates how these phenomena operate at the intersection of formal and informal media economies. The results show how shadow libraries like Sci-Hub, Library Genesis, and Z-library are more than simple piracy platforms, and should be viewed as robust ecosystems with their own technical infrastructure, community norms, and justificatory frameworks. The findings demonstrate that Black Open Access solutions persist through ”Pirate LOCKSS”. A decentralized preservation strategy utilizing multiple domain copies and established internet platforms as intermediaries. These communities develop complex legitimization mechanisms, from gamified user engagement systems to quasi-legal frameworks that mimic traditional academic institutions. Users justify their participation through multifaceted moral arguments about knowledge democratization and academic freedom, balanced with practical necessities driven by institutional constraints.“

OCR Test

Test von bislang 18 KI-OCR https://www.ocrarena.ai/battle
„OCR Arena is a free playground for testing and evaluating leading foundation VLMs and open source OCR models on document parsing tasks. Upload a document, measure accuracy, and vote for the best models on a public leaderboard. OCR Arena was built by the team at Extend. We’ve initially launched with 10+ models, powered by our friends over at Baseten. New models will be added as they’re released. „

Large Language Models for Information Retrieval

Timo Breuer, Sameh Frihat, Norbert Fuhr, Dirk Lewandowski, Philipp Schaer, Ralf Schenkel: Large Language Models for Information Retrieval: Challenges and Chances. Datenbank-Spektrum 11.09.2025
Abstract:
„The rapid advancement of Large Language Models (LLMs) has introduced a paradigm shift in Information Retrieval (IR), moving beyond conventional keyword queries and ranked result lists. LLMs now play a critical role in the evolution of IR technologies and introduce new interaction forms like Retrieval-Augmented Generation, which is a more dynamic and interactive retrieval process that integrates various aspects of Information Access, like Question Answering, into the dialog between a searcher and the search engine. We explore the multi-faceted impact of LLMs on IR, particularly in three distinct layers where they have become an integral part of the retrieval process, namely the retrieval system and processing pipeline that can make use of a richer semantic representation using advanced language models, the interaction layer, and the broader IR ecosystem. For the latter, we focus on evaluation issues as well as bias, fairness, and ethical concerns. We also highlight some recent cases of using LLMs in the medical domain to demonstrate the impact on one specific domain.“

KI-Chatbots als Suchsysteme, Suchmaschinen als KI-Bots?

Lewandowski, Dirk: KI-Chatbots als Suchsysteme, Suchmaschinen als KI-Bots? Veränderungen, Begriffe und die Rolle des Datenbestands. Veränderungen, Begriffe und die Rolle des Datenbestands. In: M. Eibl (Hrsg.): Datenströme und Kulturoasen — Die Informationswissenschaft als Bindeglied zwischen den Informationswelten. Proceedings des 18. Internationalen Symposiums für Informationswissenschaft (ISI 2025), Chemnitz, Deutschland, 18.—20. März 2025. Glückstadt: Verlag Werner Hülsbusch, S. 150—167
Abstract
„Der Beitrag untersucht die Auswirkungen großer Sprachmodelle (LLMs) und KI-Chatbots wie ChatGPT auf die Informationssuche und auf Suchsysteme. Im Zentrum steht die These, dass die Integration von KI-Chatbots und Suchmaschinen neue, hybride Suchsysteme hervorbringt, die sowohl Informationen vermitteln als auch eigenständig generieren. Dabei werden technologische Entwicklungen, wie die Generierung von Informationsobjekten „on the fly“ und die Einbindung von Retrieval-Augmented Generation (RAG), als zentrale Innovationen beschrieben. Diese Veränderungen werfen Fragen zur Verlässlichkeit und Wahrheit von Informationen auf. Die Rolle des Datenbestands in Suchsystemen wird neu bewertet, da KI-Modelle qualitativ hochwertige Trainingsdaten benötigen, um Verzerrungen und Manipulationen zu vermeiden. Der Beitrag diskutiert, wie eine stärkere Kuratierung der Datenbestände zur Sicherung der Informationsqualität beitragen kann. Darüber hinaus wird argumentiert, dass bestehende Definitionen von Suchsystemen und Informationsobjekten angepasst werden müssen, um die Fähigkeiten von KI-Chatbots adäquat zu erfassen. Die Analyse zeigt, dass diese Entwicklungen Implikationen für die Informationswissenschaft haben, insbesondere für die Vermittlung von Informationskompetenz, die professionelle Informationsrecherche und das Informationsverhalten. Es wird betont, dass Informations- und Bibliothekswissenschaftler*innen durch ihre Expertise in der Bewertung und Vermittlung von Wissen gut auf die Herausforderungen generativer KI vorbereitet sind. Abschließend wird die Notwendigkeit einer breiten Debatte zur Rolle von KI-Systemen in der Informationssuche betont.“

Bewertungen unglaubwürdig?

Markus Böhm, Jörg Breithut, Bernhard Riedmann: Verschwinden kritischer Rezensionen. Darum können Sie Google-Bewertungen nicht mehr trauen. Hunderte Millionen Menschen orientieren sich an den Sternen auf Google Maps. Dcoh das System hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, weil immer wieder kritische Bewertungen gelöscht werden. Vor allem in Deutschland. Spiegel 25.11.2025 (hinter der Bezahlschranke)
Geschildert wird, wie häufig deutsche Restaurants ihre Google-Bewertungen schönen, indem sie kritische Rezensionen gezielt löschen lassen. Betroffen sind dabei schon zwei- oder drei-Sterne-Bewertungen, sodass nur noch vier- oder fünf-Sterne Bewertungen übrig bleiben. Die Löschung beruft sich dabei auf „Diffamierung“, die auch bei nachgewiesenem Restaurant-Besucht nicht ausgeräumt werden kann. Spezialisierte Löschagenturen und Rechtsanwält beherrschen die Bewertungsszene. Ein Power-User, der häufig Fotos und Bewertungen in Maps einstellt: „Zu seinem Vertrauen in Googles Bewertungssystem sagt er als langjähriger Fan und Poweruser: `Die Sache ist eigentlich durch. Vor allem in Ballungsgebieten haben die Google-Sterne keine Aussagekraft mehr.‘ Maps sei mittlerweise eine Spielwiese für Anwälte.“

Sind Bücher gefährlich?

Die Bibliothek des Konservatismus (Bdk) in Berlin soll zum 31. Dezember 2025 aus dem Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) der norddeutschen Bundesländer ausgeschlossen werden.

Morten Freidel: sind Bücher gefährlich? Die Verbannung einer konservativen Bibliothek aus der öffentlichen Wahrnehmung ist ein Armutszeugnis. Staatliche Stellen in Deutschland wollen die Bibliothek des Konservatismus aus einem wichtigen Verbund ausschließen. Das bedroht die freie Wissensgesellschaft. Neue Zürcher Zeitung 21.11.2025 (hinter der Bezahlschranke)
„Wie kann man auf die Idee kommen, als Hoheitsträger Bücher unsichtbar zu machen? Sind Bücher gefährlich? Wo soll das hinführen?…
Nur wer sein Denken herausfordert, regt es an. Nur wer sich geistig hinauswagt, wird Einsichten gewinnen. Schon dass man das überhaupt aussprechen muss, ist ein Armutszeugtnis für eine aufgeklärte Wissensgesellschaft. Wer Gedanken für gefährlich erklärt, der bewegt sich auf den Pfaden der kirchlichen Inquisition. Galileo Galilei sollte widerrufen, weil seine Erkenntnisse die christliche Lehre vom Menschen als Mittelpunkt der Schöpfung infrag stellten. Darum geht es in Wahrheit auch in diesem Streit: Ein herrschendes Dogma soll nicht infrage gestellt werden. Wäre es anders, dann hätten die Gegner dieser Bibliothek und ihres Zirkels die Souveränität, ihnen mit der Überzeugungskraft ihrer Argumente entgegenzutreten.“

Lorenz Jäger: „Kanon der extremen Rechten“? Warum eine Berliner Bibliothek plötzlich zu konservativ sein soll, Welt 25.11.2025 (hinter der Bezahlschranke)

Chatsbots fressen Quellen

Tomas Rudl: KI-Suchmaschinen: Chatbots fressen Klicks und Quellen auf. Die Suche im Netz verschiebt sich zunehmend in Richtung Chatbots. Dabei könnte sich drastisch ändern, wie wir an Informationen gelangen – und wie viel am Ende von der Angebotsvielfalt im Netz übrig bleibt. Eine Studie hat das neue Phänomen nun untersucht. netzpolitik 17.10.2025

Dirk Lewandowski: Gutachten im Auftrag der Medienanstalten. Integration von KI-Anwendungen in Suchmaschinen und ihre Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt
Dieses Gutachten untersucht systematisch, wie sich die Integration von KI in Suchmaschinen auf die Meinungsvielfalt auswirkt. Es zeigt: KI-basierte Suchantworten schaffen neue Inhalte, verdrängen etablierte Informationsquellen und verschieben die Verantwortung für publizierte Aussagen zunehmend zu den Plattformbetreibern selbst. Berlin Oktober 2025

KI Schrott

Anna Henschel: Wir versinken in Schrott. Ein Viertel der meistgeklickten TikTok-Suchergebnisse ist künstlich erzeugt. Oft ohne Kennzeichnung, oft täuschend echt. Welche Orientierung bleibt in dieser neuen Realität? Wissenschaftskommunikation.de 23.11.2015
„Was ist ‘AI Slop’? KI-Schrott ist ein „endlose[r] Strom billig produzierter, emotional aufgeladener KI-Inhalte, die digitale Räume fluten“1. Meist entstehen so fehlerhafte Inhalte, Videos und Bilder von geringer Qualität. Alternativ wird KI-Schrott auch als eine ‘invasive Art’, ‘Schmutz’, synthetisches Material wie ‘Polyester’ oder ‘hochverarbeitetes Junkfood’ beschrieben.
Dahinter steckt die Motivation, möglichst viel emotionalisierenden Content möglichst billig zu produzieren, um Viralität zu erreichen. Je mehr Clicks erzielt werden, desto mehr Geld können die Produzent*innen des Slops potenziell über die Creator-Programme von Social Media Plattformen verdienen.“
„Ein weiteres Problem ist, dass Infrastrukturen derart mit Schrott überflutet werden, dass sie nicht mehr funktionieren. Das Moderationsnetzwerk von Wikipedia ächzt unter dem Anstieg qualitativ schlechter Beiträge6. Der Preprint-Server arXiv Computer Science hat den automatischen Upload von Übersichtsartikeln und Positionspapieren vorerst gestoppt. Die freiwilligen Moderator*innen hätten keine Kapazitäten, den „unüberschaubaren Zustrom“ von Artikeln zu bewältigen. Währenddessen sinkt die Informationsqualität von Online-Inhalten immer weiter.“

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