Manipulationstechniken der Memes

Das digitale Magazin Machine against the Rage hat in seiner Ausgabe Nr. 5 vom Winter 2024 die Manipulationstechniken der Memes untersucht. Lisa Bogerts, Pablo Jost: Against the Rage Five Shades of Hate: Gruppenbezogene Abwertung in Zeiten der Memifizierung
„Wie werden Memes für die Abwertung oder gar Entmenschlichung sozialer Gruppen genutzt? Im Kontext einer zunehmend bildbasierten Online-Kommunikation versprechen gerade Text-Bild-Kombinationen eine besondere Viralität für entsprechende Botschaften: Die aufmerksamkeitsfördernde visuelle Aufmachung kann sie nämlich über die übliche Reichweite hinaustragen. Auf Grundlage einer Zufallsstichprobe untersuchen wir daher erstmals auf einer breiten Datenbasis, wie diskriminierende Memes auf Telegram Anwendung durch rechtsextreme und verschwörungsideologische Akteure finden.“
Aus 8.5 Millionen Bildern in dem Zeitraum von Januar 2022 bis Juni 2023 wurde in einer mehrstufigen Filterung ein Sample von 40.728 Bildern zusammengestellt. Die einzelnen Kapitel: Von den Daten zur Analyse: Ein methodenübergreifender Ansatz; Memes, Masse, Abwertung: Ein quantitativer Überblick; Creators, Manipulators, Mulitpliers: Akteure hinter den Memes; Narrative der Abwertung: Wie (un)bewusst Misogynie verbreitet wird; Die Ambiguität der Ebenen: Elemente von (LGB)T-Feindlichkeit; Die Ästhetik der Abwertung: Rassismus in Memes; Die codierte Rhetorik des Antisemitismus. Schlussbetrachtungen: Die begrenze Viralität der Telegram Memes.

Facebook-Nutzer als Opfer

Wie werden die Online-Aktivitäten von Internetnutzern überwacht? Durchschnittlich 2230 Unternehmen übersandten Daten von Nutzern an Facebook. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Comsumer Reports: Don Marti, Fengyang Lin, Matthew Schartz, Ginny Fahs: Who shares your information with Facebook? Sampling the Surveillance Economy in 2023. Die Untersuchung wird zusammenfassend vorgestellt von Jon Keegan: Each Facebook User Is Monitored by Thousands of Companies. A Consumer Reports analysis looks at who is sending information about your online activity to Facebook. CR Consumer Reports 17.01.2024
Dazu wurden die Daten von 709 Facebook-Nutzern der letzten 3 Jahre ausgewertet. „the study was able to examine a form of tracking that is normally hidden: so-called server-to-server tracking, in which personal data goes from a company’s servers to Meta’s servers. Another form of tracking, in which Meta tracking pixels are placed on company websites, is visible to users’ browsers. “
Dabei werden

Dabei sind zweierlei Daten enthalten: „Custom audiences allow advertisers to upload customer lists to Meta, often including identifiers like email addresses and mobile advertising IDs. These customers, and so-called look-alike audiences made up of similar people, can then be targeted with ads on Meta’s platforms.
The other category of data collection, “events,” describes interactions that the user had with a brand, which can occur outside of Meta’s apps and in the real world. Events can include going to a page on a company’s website, leveling up in a game, going to a physical store, or purchasing a product. These signals originate from Meta software code included in many mobile apps, their tracking pixel, which is included on many websites, and from server-to-server tracking, where a company’s server passes data to a Meta server.“
Die hier u.a. eingesetzte Technik der Meta-Pixel wird auf einer anderen Seite analysiert: Pixel Hunt. Millions of Meta’s invisible pixels are embedded on websites across the internet. The Markup is investigating exactly what those pixels track about the public. The Markup

Fragmentiertes Internet

Michael Moorstedt: Ratlosigkeit online. Immer seltener gelingt es dem Internet, gesamtgesellschaftliche Trends zu artikulieren. Das liegt nicht nur am Niedergang des früher Twitter genannten Netzwerks, Süddeutsche Zeitung 14.01.2024 (hinter der Bezahlschranke) Schon durch die Einschränkung der Analysetools von X und Facebook wird es schwierig, Trends zu erkennen. Die Empfehlungsalgorithmen verstärken außerdem zunehmend nicht mehr populäre Inhalte, sondern „Nischen bis auf Mikroebene“, die zudem personalisiert werden. Ein Internet, in dem sich Inhalte verflüchtigen, wird zum „Vapor Web“. „Das Paradoxe daran: Im Vapor Web finden nicht weniger Konversationen und Austausch statt, sondern wahrscheinlich mehr als je zuvor.“ Deren Popularität sei aber nicht mehr quantifizierbar.

AI Chatbot Lotti

Lotti https://lotti.ai/ ist ein per künstlicher Intelligenz gesteuerter Chatbot, der kostenlos in einfachen Worten alle Fragen über Apps, Online-Bezahlmethoden, Doctolib usw. beantwortet. „Lotti ist deine Expertin für alle Fragen zu digitalen Themen und macht deinen Lernprozess individuell, einfach und flexibel.“ Zielgruppe sind vor allem ältere Personen, die noch nicht Handy- oder Internet-erfahren sind.

Fakeschleuder Suchmaschine

Können Suchmaschinen im Gegensatz zu sozialen Medien dazu beitragen, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu überprüfen? Kevin Aslett, Zeve Sanderson, William Godel, Nathaniel Persily, Jonathan Nagler, Joashua A. Tucker: Online searches to evaluate misinformation can increase its perceived veracity, Nature 20.12.2023 haben dies in fünf Experimenten mit tausenden Teilnehmern anhand der Themen Corona-Pandemie, Trump und Klimawandel untersucht. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diejenigen, die online suchen, um Fehlinformationen zu bewerten, Gefahr laufen, in Datenlücken oder Informationsräume zu geraten, in denen es bestätigende Beweise aus minderwertigen Quellen gibt. Wir finden auch konsistente Beweise dafür, dass die Suche im Internet zur Bewertung von Nachrichten den Glauben an wahre Nachrichten aus minderwertigen Quellen steigert, aber widersprüchliche Beweise dafür, dass sie den Glauben an wahre Nachrichten aus Mainstream-Quellen steigert.“ Bei den Nutzern der Suchmaschinen war die Wahrscheinlichkeit, Falschinformationen zu glauben, um 19 Prozent gegenüber anderen Internet-Nutzern erhöht.

Gemeinsames Ministerialblatt

„Ob Verordnungen zum Arbeitsschutz, Tarife der Krankenkassen, Weisungen zum Einsatz von Polizei-Tasern oder Vorgaben für Pestizideinsätze: Die Bundesbehörden machen jedes Jahr in allen gesellschaftlichen Bereichen zahlreiche rechtlich verbindliche Vorgaben. Doch für den Zugang muss man bezahlen. Das ändern wir heute und veröffentlichen das gesamte Gemeinsame Ministerialblatt (GMBl) seit 1950 – insgesamt 2.713 Ausgaben.“ FragDenStaat

All-in-One KI

Mit dem kostenlosen Tool POE https://poe.com kann man verschiedene KI-Modelle testen und mit ihnen arbeiten. Erforderlich ist dazu nur die Eingabe einer E-Mail Adresse. Folgende Rubriken werden bislang angeboten: Offizielle Bots, Beliebte Bots, BildGen-Bots, Professionelle Bots, Rollenspiel-Bots, Schreib-Bots, Musik-Bots, Lustige Bots, Lern-Bots, Ratschlag-Bots, Reise-Bots, Bots zum Thema Geist, Koch-Bots, Programmier-Bots, KI-Bots, Geschichts-Bots, Spiel-Bots, Nützliche Bots, Sport-Bots. Dieses deutschsprachige Youtube-Video „DIE KOSTENLOSE ALL-IN-ONE-LÖSUNG FÜR KI – Poe bietet ChatGPT, Palm, Llama, DALL·E 3 & mehr“ erklärt die Anwendung.

Anonymität und moralische Scheinwelt

Andre Kieserling: Moralische Scheinwelt. Wie die Anonymität im Netz zur Eskalation der Debatten führt, Frankfurter Allgemeine Zeitung 08.12.2023 (hinter der Bezahlschranke) wendet die Erkenntnisse zweier amerikanischer Moralphilosophen über „Grandstanding, Gebrauch und Missbrauch moralischer Gespräche“, auf die sozialen Medien des Internet an. „Ihre Hauptthese lautet, dass die Eiferer die Achtung der Gleichgesinnten zu gewinnen suchen, dies aber unter extrem ungünstigen Bedingungen tun müssen.“ Man kann die eigene moralisch wertvolle Handlung, die zeigt, wie gut man ist, nicht einfach behaupten. Dies würde zu Misstrauen und Ablehnung führen. „Dann bleibt als Mittel vorteilhafter Selbstdarstellung nur das Urteil über die Handlungen anderer.“ Neuerer und Dissidenten gehen dabei Risiken und Nachteile ein, es sei denn, sie handeln anonym. Aber Anonymität oder auch das Schwimmen im Mainstream führen nicht zu der gewünschten Anerkennung. Abhilfe kann zum einen die Erfindung eines Meinungsklimas aus lauter Denkverboten sein, gegen das man sich „mutig“ stemmt. Zum anderen kann man sich unter Gleichgesinnten im Mainstream durch noch stärkere Formulierungen, Vorwürfe und Sanktionen profilieren. „Am Ende werden dann Mikro-Aggressionen erfunden, unter denen niemand im Ernst leidet, die anzuprangern aber ein Höchstmaß an moralischen Feingefühlt bezeugt.“

Tosi, Justin & Warmke, Brandon (2020). Grandstanding: The Use and Abuse of Moral Talk. New York: Oxford University Press. Edited by Brandon Warmke.
Brandon Warmke: Moral Grandstanding: Why Status-Seeking Destroys Public Discourse Youtube 24.01.2023

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