Google Kritik

The State of Google Critique and Intervention, Big Data & Society, March 2023
„This special issue focuses on Google as an object of critical study and European interventions that increasingly strive to counteract its dominance. Grounded in empirical case studies, it traces the politics of search engines to its very beginning by revisiting Brin’s and Page’s “mixed motives” of the PageRank algorithm and how they contributed to surveillance capitalism. It analyses search engine bias and discrimination by focusing on “data voids” and how they may potentially be filled with extreme right-wing sources, as well as the patching of “offensive results”, both past and present. It poses the question of how Google’s ubiquity is complicit in the creation of ignorance in the context of the climate crisis. Beyond the critique, it finally investigates how providers of alternative search engines counter-imagine hegemonic search and what interventions may help these projects to grow out of their niches, especially in Europe where social values and fundamental rights are strongly upheld in policy rhetoric. The special issue closes with two commentaries embedding “the State of Google Critique and Intervention” in larger discussions on the ethical dimensions of Google Autocomplete and the political economy of technical systems.“

Fakeschleuder Suchmaschine

Können Suchmaschinen im Gegensatz zu sozialen Medien dazu beitragen, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu überprüfen? Kevin Aslett, Zeve Sanderson, William Godel, Nathaniel Persily, Jonathan Nagler, Joashua A. Tucker: Online searches to evaluate misinformation can increase its perceived veracity, Nature 20.12.2023 haben dies in fünf Experimenten mit tausenden Teilnehmern anhand der Themen Corona-Pandemie, Trump und Klimawandel untersucht. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diejenigen, die online suchen, um Fehlinformationen zu bewerten, Gefahr laufen, in Datenlücken oder Informationsräume zu geraten, in denen es bestätigende Beweise aus minderwertigen Quellen gibt. Wir finden auch konsistente Beweise dafür, dass die Suche im Internet zur Bewertung von Nachrichten den Glauben an wahre Nachrichten aus minderwertigen Quellen steigert, aber widersprüchliche Beweise dafür, dass sie den Glauben an wahre Nachrichten aus Mainstream-Quellen steigert.“ Bei den Nutzern der Suchmaschinen war die Wahrscheinlichkeit, Falschinformationen zu glauben, um 19 Prozent gegenüber anderen Internet-Nutzern erhöht.

Google und die Zukunft der Suche

Oliver Voß, Tanja Kunesch: Suchmaschinen-Experte Dirk Lewandowski: „Der größte Fehler ist, Google blind zu vertrauen“, Tagesspiegel 04.09.2023 (hinter der Bezahlschranke) In dem Interview skizziert Lewandowski den Aufstieg von Google durch den Page-Rank-Algorithmus und linkbasierte Verfahren. Das Problem, das durch die Monopolstellung von Google entsteht, ist, dass dadurch bestimmt wird, was wir sehen. „Wir wissen gar nicht, was uns entgeht.“ Durch die Anzeige von werbebasierten Suchergebnissen an den ersten Trefferpositionen wird das Suchergebnis verzerrt, insbesondere, da viele Nutzer zwischen Werbung und anderen Suchergebnissen nicht zu unterscheiden wissen. ChatGPT ist eine Suche mit textbasierten Antworten, die den Erwartungen der Benutzer nach einer direkten Antwort entgegenkommt. Allerdings wird das bisherige Geschäftsmodell total verändert. „Wenn eine KI einfach die Inhalte nimmt und verwurstet, klickt niemand mehr auf die ursprünglichen Seiten.“ Eine zukünftige Lösung sieht er einmal in speziellen Suchmaschinen, die nur bestimmte Quellen abdecken. Zum anderen aber wüäre es sinnvoll, „einen öffentlich finazierten Index des Web zu erstellen, einen Open Web Index“. Darauf könnten verschiedene Suchmaschinen aufbauen.

Stirbt Google?

Wie verändert die Künstliche Intelligenz Suchen und Suchmaschinen?) Titus Blome: Google stirbt. Künstliche Intelligenz soll künftig in die Suchmaschine integriert werden. Das zwingt uns alle zu einer großen Umstellung, in: Süddeutsche Zeitung 07.08.2023 (hinter der Bezahlschranke) beschäftigt sich mit geplanten Einsatz von KI bei Google. Wird bei einer Suchanfrage nicht mehr eine Liste von Links erstellt, sondern eine Zusammenfassung des Inhalts, so entfällt auch die Weiterleitung der Suchenden auf diese Webseiten. Fehlen aber dort die Besucherzahlen, können sich die Angebote nicht mehr durch Werbung finanzieren. Er sieht eine Zweiteilung des Internets: Geschlossene, durch Bezahlschranken geschützte Anwendung, die sich selbst finanzieren müssen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ein noch offenes Internet, das über durch massenhaft generierte minderwertige Inhalte überflutet wird. Die Zukunft der Suchmaschinen wird darin liegen, diese Inhalte auszuschließen und zuverlässige Informationen zu sichern. „Der Wert der alten Suchmaschinen liegt darin, wie viel sie einbeziehen. Der Wert der neuen Suchmaschinen wird darin liegen, was sie ausschließen.“

KI in wissenschaftlichen Suchmaschinen

Die KI-gestützten Chatbots haben schon in die allgemeinen Internet Suchmaschinen wie Google und Bing Einzug gehalten. Richard Van Noorden: ChatGPT-like AIs are coming to major science search engines. Scopus, Dimensions and Web of Science are introducing conversational AI search, in: nature 02.08.2023 beschreibt, wie auch Firmen, die über große proprietäre Datenbanken mit wissenschaftlichen Abstracts und Referenzen verfügen (Elsevier – Scopus, Digital Science – Dimensions) KI-Assistenten für große Sprachmodelle (LLM) installieren.

Open Web Index

Verschiedene Beiträge haben sich jüngst mit dem Europäischen Open Web Index beschäftigt. Zur Erinnerung: „Die Hauptidee des Open Web Index (OWI) liegt darin, einen öffentlich finanzierten, global ausgerichteten und durchsuchbaren Index der Inhalte des Web zu erstellen und für konkurrierende Unternehmen, Institutionen und Akteure der Zivilgesellschaft verfügbar zu machen. Der Open Web Index ist ein europäischer Ansatz, um eine konkurrenzfähige und datensparsame digitale Infrastruktur zu schaffen. Das Ziel ist, die Basis für echten Wettbewerb bei den digitalen Plattformen zu schaffen.“
Open Web Index (OWI)
Wichtig ist dabei vor allem, dass es nicht darum geht, eine neue Suchmaschine zu generieren, sondern in einem Offenen Index Daten besonders aus dem europäischen Raum vorzuhalten, die ansonsten nicht in die Basis der Suchmaschinen und KI eingehen könnte.

Mirjam Hauck: So will Europa Google Konkurrenz machen. Ein EU-Projekt versucht, eine Suchmaschinen-Alternative mit „europäischen Werten“ aufzubauen. Süddeutsche Zeitung 29.03.2023 (hinter der Bezahlschranke) beschreibt den Stand so: „Dafür arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 14 europäischen Forschungs- und Rechenzentren wie dem CERN in Genf oder dem Leibniz-Rechenzentreum in München zusammen, angelegt auf drei Jahre. Die EU fördert das Projekt mit 8,5 Millionen Euro, koordiniert wird das Ganze von der Uni Passau unter der Leitung des Informatik-Professors Michael Garnitzer.“ Dieser soll als erstes prototypische Anwendung im Bereich wissenschaftliche Faken und geografischer Raum vorlegen.
Arne Grävemeyer: Basis für tausend Suchmaschinen. Die EU will bis 2025 einen öffentlichen Web-Index aufbauen. c’t 9/2023 (hinter der Bezahlschranke)
Patrick Dax: Google-Alternativen: Warum Europa eigene Suchmaschinen braucht, futurzone 18.04.2022

Suchergebnisse durch Präferenz steuern

Dirk Lewandowski: Search engines that give users control over their results, Information Today 07.03.2023 stellt die Suchmaschinen  Brave SearchNeeva und You.com vor. Traditionelle Suchmaschinen wie Google und Bing ermitteln die Relevanz der Resultate einer Suchanfrage mittels verschiedener Algorithmen, die Daten der Nutzer, die zuvor ermittelt und gespeichert wurden, einbeziehen. Im Gegensatz dazu ermöglichen diese drei Suchmaschinen, eigene Präferenzen und Quellen einzugeben. Diese neue Sichtweise kann ein völlig neues Ranking der Suchergebnisse anzeigen. Allerdings ist es genausogut möglich, dass man sich gezielt seine eigene Informationsblase schafft. „While one may question whether it is a good idea that users should choose news sources to be displayed based on their political preferences – and thereby ignoring other sources from the political spectrum, re-ranking results is what really differentiates these search engines from Google and similar search engines.“ Nach Lewandowski überwiegt allerdings der Nutzen gegenüber potentiellen Risiken: „Giving users control over search results may benefit them more than slight improvements in the overall relevance of results.“

Suchmaschine PDF

FreeFullPDF.com ist eine Suchmaschine für frei verfügbare pdfs: „The site has two objectives: to allow scientists and students to find free research articles and to create an online scientific community.“
What you can find in FreeFullPDF.com:
As the best free research papers website, you can find free PDFs of scientific publications (search tool) and useful tips to improve your hard work in finding the scientific articles you need.
As a scientific community website, you can find a social network for scientists and researchers (join us).
A gateway to global visibility for your scientific research.“

openArtBrowser

Simon Colin: Per Mausklick durch die Kunst- und Museumswelt – Der openArtBrowser zeigt 700.000 frei verfügbare Kunstwerke, IDW Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilung h_da 28.10.2022
„Heute finden sich dort zirka 700.000 Kunstwerke aus 400 Stilrichtungen, 35.000 Kunst-schaffende, 50.000 Motive sowie 37.000 Museen und Ausstellungsorte. Und es werden wöchentlich mehr. Anhand zahlreicher Filter lässt sich recherchieren von Epoche über Künstlerin oder Motiv bis hin zum Standort oder zu den verwendeten Materialien.
Für den openArtBrowser verwendet das h_da-Team einen OpenSource-Ansatz. Genutzt werden nicht die limitierten, rechtlich geschützten Datensätze eines Museums, sondern frei zugängliche Web-Quellen aus der ganzen Welt: Nämlich die von Wikidata und Wikimedia, Grundlagen des Internetdienstes Wikipedia…Mit einem sogenannten Webcrawler, den Studierende entwickelt haben, werden die Datensätze von Wikidata eingesammelt und an der richtigen Stelle einsortiert.“
Link zum openArtBrowser: https://openartbrowser.org

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