Zensur im Internet?

Wer bestimmt den digitalen Diskurs? Eine Untersuchung zeigt, wie staatlich finanzierte NGOs die Online-Debatte in Deutschland steuern – und warum das die Meinungsfreiheit gefährdet. Liber-Net, eine „digitale Bürgerinitiative„, hat hierüber einen Überlick erstellt.
liber-net: Das Zensurnetzwerk: Regulierung und Repression im heutigen Deutschland 19.11.2025
„In den letzten Jahren haben investigative Berichte eine Reihe koordinierter Bemühungen aufgedeckt, die darauf abzielen, die Meinungsfreiheit im Internet in westlichen Ländern zu unterdrücken. Diese Netzwerke zur Unterdrückung von Informationen, die oft als „Zensur-Industriekomplex” bezeichnet werden (und meist unter dem Deckmantel der „Bekämpfung von Desinformation” oder „Hassrede” operieren), sind insbesondere in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich und in der Europäischen Union weit verbreitet. Innerhalb der EU spielt Deutschland eine überproportional große Rolle in diesem Komplex, mit einer Vielzahl von staatlichen und privaten Knotenpunkten, die sich mit der Überwachung von Online-Äußerungen befassen und sich für eine zunehmende Unterdrückung von Inhalten einsetzen….
In diesem Bericht finden Sie Infografiken, die Aufschluss über die Aktivitäten,
die Zusammensetzung und die Themen dieser Organisationen geben. Die nachstehende Grafik zeigt, wer unserer Meinung nach den Kern des deutschen Netzwerks zur Unterdrückung von Informationen bildet.“

Ende der Gratiskultur im Internet?

Markus Städeli: Mikrozahlungen statt Daten: Neu kann man im Internet Kleinstbeträge ausgeben. Seit Jahrzehnten dominieren im Netz Gratisangebote – die Nutzer bezahlen sie mit ihren Daten statt mit Geld. Nun öffnen Mikrozahlungen den Weg zu völlig neuen Geschäftsmodellen. Neue Zürcher Zeitung 25.11.2025 (hinter der Bezahlschranke)
„Im September haben einflussreiche Techunternehmen die Stiftung x402.org gegründet, um Mikrozahlungen durch einen neuen, offenen Internetstandard zum Durchbruch zu verhelfen. Durch ihn wird das Senden und Empfangen von Zahlungen für Betreiber von Websites, Entwickler sowie Urheber von Inhalten massiv vereinfacht.“ Zahlungen sollen mittels Stablecons erfolgen. Geplant ist, dass KI-Dienste und KI-Agenten Zahlungen bei Zugriff auf Daten leisten. Der Endbenutzer zahlt dann mit seinem KI-Abo.

Supersearcher

„Wie lassen sich Fakten und Fakes unterscheiden? Wie erkennt man verlässliche Quellen – und welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei? Antworten vermittelt das internationale Programm „Super Searchers“, das von Google initiiert und finanziert wurde und nun auch in Deutschland startet. Die dpa setzt das Projekt gemeinsam mit dem Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) um. Ziel ist es, Medien- und Informationskompetenz in die Breite der Gesellschaft zu tragen.
Nach dem Prinzip „Train the Trainer“ bieten dpa und dbv im Frühjahr 2026 kostenfreie Online-Seminare, Infomaterialien, didaktische Tipps und Praxisbeispiele an, die sich insbesondere an Fachkräfte aus Bibliotheken und dem Bildungssektor richten. So werden diese in die Lage versetzt, unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen praxisorientiert und niedrigschwellig zu erreichen.
Der Fokus liegt auf Suchsicherheit bei der Online-Recherche, kritischer Bewertung von Informationen und dem Erkennen von Falschbehauptungen. „Informationskompetenz ist eine Grundvoraussetzung
Presseportal dpa 05.11.2025

Medienkompetenz für die digitale Welt

Claudia Mertens / Melanie Basten / Jule Günter / Anna Oldak / Franziska Schaper / Anne Trapp: Medienkompetenz für die digitale Welt. Ein praktischer Wegweiser. transcript Verlag 2025 ist als open Access zugänglich.
Abstract: „In einer Zeit, in der neue Technologien und Künstliche Intelligenz allgegenwärtig sind, erweist sich der souveräne Umgang mit digitalen Medien als unerlässliche Schlüsselkompetenz. Der Einstiegskurs bietet einen umfassenden Einblick in vielfältige Dimensionen digitaler Medienkompetenz und befähigt dazu, digitale Medien reflektiert und kritisch zu nutzen, didaktisch einzusetzen und selbst kreativ zu gestalten. Zum Erwerb und zur Erprobung dieser Fähigkeiten bieten die Autorinnen eine crossmediale Lernumgebung an, die einen Online-Kurs sowie ein Handbuch umfasst. Zahlreiche Anschauungsbeispiele, Praxistipps, Reflexionsfragen sowie interaktive Übungsaufgaben unterstützen den individuellen Lernprozess und helfen Studierenden, Lehrenden sowie Interessierten aus der breiten Öffentlichkeit bei der Erschließung und Vertiefung von einem der wichtigsten Future Skills unserer Zeit.“

Außerdem wird ein Online-Kurs »Medienkompetenz für die digitale Welt. Ein praktischer Wegweiser«! angeboten. Der Online-Kurs integriert die Inhalte des Buches und interaktive Übungsaufgaben in einem Format, das selbstgesteuertes Lernen in einer modernen und didaktisch konzipierten Online-Umgebung ermöglicht.

Typologie des Online Streits

Piotr Heller: „Vergeltung schlägt Wiedergutmachung“. Ashley Shea hat eine Typologie des Online-Streits erstellt. Die Forscherin Ashley Shea hat tausende Debatten in sozialen Medien untersucht. Hier erklärt sie, welche Taktiken im Online-Streit besonders gut funktionieren. Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.08.2025 (hinter der Bezahlschranke)

„Sie haben sieben Arten des Widerspruchs erkannt – drei davon nutzen Drohungen oder Einschüchterung:
Eine Art war die Androhung physischer Gewalt. Das wollen die Plattformen entfernen. Man findet es dennoch. Dann gibt es die ad-hominem-Attacken. Man widerspricht nicht dem, was gesagt wird, sondern diffamiert die Person als Lügner oder Rassist. Die dritte Art ist der Angriff auf den Inhalt, ohne sachliche Auseinandersetzung. Man tut ihn etwa als Lüge oder Verschwörungstheorie ab.
Sie haben auch zwei Arten des Widerspruchs gefunden, die legitim wirken:
Bei der logischen Disqualifizierung zeigt man mit Logik oder Belegen, dass eine Aussage falsch war. Dies geschieht in der Regel respektvoll. Die zweite Art – wir nennen sie moralische Korruption -weist auf moralische Probleme einer Aussage hin. Ein solcher Fall war, als ein Nutzer geschrieben hat: ‚Sie als Veteran sollten nicht so sprechen.'“
Als Muster treten ausserdem die auf die Selbstkontrolle (Man nimmt sich selbst aus der Debatte) oder die Raumkontrolle (das Gegenüber wird dazu gedrängt, den Raum zu verlassen).

Ashley L. Shea,Aspen KB Omapang, Yong Cho,Miryam Y. Ginsparg,Natalie N. Bazarova,Winice Hui,René F. Kizilcec,Chau Tong,Drew B. Margolin: Beyond ad hominem attacks: A typology of the discursive tactics used when objecting to news commentary on social media, PLOS One 20,08,2025
Abstract: „Soziale Medien dienen zunehmend als primärer Ort, an dem sich Menschen an öffentlichen Diskussionen über Nachrichten beteiligen. In diesen Gesprächen sind persönliche Angriffe weit verbreitet. Solchen persönlichen Angriffen können kognitive oder affektive Ziele zugrunde liegen, beispielsweise die Diskreditierung eines Anbieters gefälschter Beweise oder das Signalisieren sozialer Distanz zu einem hasserfüllten Provokateur. Sie können auch von einem einfachen operativen Ziel getrieben sein: das Gesagte zu unterbinden. Wenn persönliche Angriffe eingesetzt werden, um die Kommentare einer anderen Person zu unterbinden, bezeichnen wir dies als diskursive Einspruchstaktik. In diesem Artikel untersuchen wir die Verbreitung persönlicher Angriffe und die Merkmale anderer diskursiver Taktiken, die von Menschen eingesetzt werden, um Online-Nachrichtenkommentaren zu widersprechen. Zunächst führten wir eine Inhaltsanalyse von über 6.500 Kommentarantworten auf beliebte Nachrichtenvideos auf YouTube und Twitter durch und identifizierten sieben verschiedene diskursive Einspruchstaktiken. Anschließend untersuchten wir die Häufigkeit des Auftretens jeder Taktik anhand der 6.500 Kommentarantworten sowie einer zweiten Stichprobe von 2.004 Antworten. Unsere Ergebnisse bestätigen, dass persönliche Angriffe zwar die am häufigsten verwendete diskursive Taktik sind, um Nachrichtenkommentare zu beanstanden, dass aber auch eine Vielzahl anderer diskursiver Einspruchstaktiken zum Einsatz kommen. Die daraus resultierende Typologie bietet einen umfassenden Überblick über Basisinitiativen, die auf abschreckende Sprache, nicht-akkommodierende Kommunikation und prosoziale Strategien setzen.“

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